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Fahrzeugtechnik30. April 2020

Reifendruckkontrollsystem (RDKS): Pflicht und Funktionsweise

Seit 2014 ist das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) in allen Neuwagen Pflicht. Es warnt den Fahrer rechtzeitig vor gefährlichem Reifendruckverlust und kann im Ernstfall Leben retten. In diesem Fachbeitrag erklären wir, wie das System funktioniert, welche Typen es gibt und was Autofahrer beachten müssen.

Reifendruckkontrollsystem (RDKS): Pflicht und Funktionsweise

Was ist das Reifendruckkontrollsystem (RDKS)?

Das Reifendruckkontrollsystem, kurz RDKS (englisch: Tyre Pressure Monitoring System, TPMS), ist ein elektronisches Sicherheitssystem, das den Luftdruck in den Reifen eines Fahrzeugs kontinuierlich überwacht. Fällt der Druck in einem oder mehreren Reifen unter einen kritischen Schwellenwert, wird der Fahrer über eine Warnleuchte im Armaturenbrett – häufig ergänzt durch ein akustisches Signal – sofort informiert.

Ein zu niedriger Reifendruck ist eine der häufigsten, aber oft unterschätzten Gefahrenquellen im Straßenverkehr. Er erhöht den Bremsweg, verschlechtert das Fahrverhalten, begünstigt einen Reifenplatzer und führt zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch sowie vorzeitigem Reifenverschleiß. Das RDKS trägt dazu bei, diese Risiken frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.

Gesetzliche Pflicht: Seit wann gilt RDKS?

Die gesetzliche Grundlage für das RDKS in Europa basiert auf der UN-Regelung ECE-R 64 sowie der EU-Verordnung Nr. 661/2009. Diese schreibt vor:

  • Seit dem 1. November 2012 müssen alle neu typgenehmigten Pkw-Modelle mit einem RDKS ausgestattet sein.
  • Seit dem 1. November 2014 gilt die Pflicht für alle neu zugelassenen Pkw in der Europäischen Union – unabhängig vom Modell.

Die Regelung betrifft Fahrzeuge der Klasse M1, also Pkw mit maximal acht Sitzplätzen zuzüglich Fahrersitz. Für Nutzfahrzeuge, Motorräder und andere Fahrzeugklassen gelten abweichende oder noch keine einheitlichen Vorschriften.

Für Autofahrer bedeutet das: Wer seit November 2014 einen Neuwagen gekauft hat, verfügt zwingend über ein RDKS. Bei älteren Fahrzeugen ist das System hingegen optional und war häufig nur in höheren Ausstattungslinien verfügbar.

Wie funktioniert das RDKS? Die zwei Systemtypen

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei technischen Ansätzen:

1. Direktes RDKS (dRDKS)

Beim direkten Reifendruckkontrollsystem ist in jedem Rad ein eigener Drucksensor verbaut. Dieser misst den tatsächlichen Luftdruck im Reifeninneren – oft auch die Temperatur – und sendet die Daten per Funk an ein zentrales Steuergerät im Fahrzeug. Dieses wertet die Signale aus und gibt bei Bedarf eine Warnung aus.

Vorteile des direkten Systems:

  • Präzise, reifengenaue Messung des tatsächlichen Drucks
  • Erkennt auch schleichenden Druckverlust zuverlässig
  • Zeigt oft den genauen Druckwert pro Rad im Display an

Nachteile:

  • Höhere Kosten durch Sensoren in jedem Rad
  • Beim Reifenwechsel (z. B. Winterreifen) müssen die Sensoren ummontiert oder neue Sensoren im Satz vorhanden sein
  • Sensorbatterien haben eine begrenzte Lebensdauer (typischerweise 5–10 Jahre)

2. Indirektes RDKS (iRDKS)

Das indirekte System nutzt keine eigenständigen Drucksensoren in den Rädern. Stattdessen greift es auf die Daten des bereits vorhandenen ABS-Systems zurück. Ein Reifen mit zu niedrigem Luftdruck hat einen verringerten Rollumfang und dreht sich dadurch schneller als die übrigen Räder. Diese Drehzahldifferenz wird vom System erkannt und als Druckwarnung interpretiert.

Vorteile des indirekten Systems:

  • Kostengünstiger, da keine zusätzlichen Sensoren nötig
  • Kein Aufwand beim Reifenwechsel durch Sensoren

Nachteile:

  • Misst keinen tatsächlichen Druckwert, sondern nur Abweichungen
  • Erkennt gleichmäßigen Druckverlust an mehreren Rädern schlechter
  • Muss nach jedem Reifenwechsel oder Druckanpassung manuell kalibriert werden

Was bedeutet das RDKS beim Reifenwechsel?

Ein häufiges Thema in der Praxis ist der saisonale Reifenwechsel. Wer Sommer- und Winterreifen wechselt, muss dabei das RDKS im Blick behalten:

  • Bei direkten Systemen empfiehlt es sich, Sensoren auf den Wechselrädern zu montieren oder einen zweiten Sensorsatz anzuschaffen. Andernfalls leuchtet nach dem Wechsel dauerhaft die RDKS-Warnleuchte.
  • Bei indirekten Systemen muss das System nach dem Wechsel und nach einer Druckanpassung neu kalibriert werden. Dies geschieht meist über ein Menü im Fahrzeugdisplay oder eine entsprechende Taste.

Wer diese Schritte vernachlässigt, riskiert, dass das RDKS keine zuverlässigen Warnungen mehr ausgibt – ein sicherheitsrelevantes Problem.

RDKS und Fahrzeugsicherheit: Relevanz aus Sachverständigensicht

Aus der Perspektive eines Kfz-Sachverständigen spielt das RDKS bei der Unfallanalyse eine zunehmend wichtige Rolle. Ein defektes oder deaktiviertes RDKS kann im Schadensfall Fragen zur Betriebssicherheit und zur Mitverantwortung des Fahrzeughalters aufwerfen.

Ist ein Reifenplatzer oder ein durch Unterdruck verursachtes Fahrmanöver Unfallursache, wird im Gutachten geprüft:

  • War das RDKS zum Unfallzeitpunkt funktionsfähig?
  • Lagen Warnhinweise vor, die der Fahrer ignoriert hat?
  • Wurden Wartungsintervalle eingehalten, insbesondere der Austausch von Sensorbatterien?

Ein funktionierendes RDKS kann dabei entlastend wirken – ein fehlendes oder defektes System hingegen kann versicherungsrechtliche und haftungsrechtliche Konsequenzen haben.

Wartung und Pflege des RDKS

Damit das System zuverlässig funktioniert, sollten Autofahrer folgende Punkte beachten:

  • Regelmäßige Druckkontrolle: Das RDKS ersetzt nicht die manuelle Reifendruckkontrolle. Es warnt erst, wenn ein definierter Schwellenwert unterschritten wird – kleinere Abweichungen bleiben zunächst unentdeckt.
  • Sensorwartung: Die Batterien der Direktsensoren sind nicht austauschbar und halten typischerweise 5–10 Jahre. Danach müssen die Sensoren komplett ersetzt werden.
  • Ventile prüfen: Bei Direktsystemen sitzen die Sensoren am Ventil. Beschädigte Ventile können zu Druckverlust und Sensorausfällen führen.
  • Kalibrierung nach Reifenwechsel: Besonders bei indirekten Systemen ist eine Neukalibrierung nach jedem Wechsel unerlässlich.

Fazit

Das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ist seit 2014 ein unverzichtbarer Bestandteil der aktiven Fahrzeugsicherheit in Europa. Es warnt zuverlässig vor gefährlichem Reifendruckverlust und kann so Unfälle verhindern, Fahrzeugschäden reduzieren und Kraftstoffkosten senken. Autofahrer sollten jedoch verstehen, dass das RDKS kein Ersatz für regelmäßige manuelle Kontrollen ist, sondern eine wertvolle Ergänzung.

Aus Sicht des Kfz-Sachverständigen gilt: Ein gewartetes, funktionsfähiges RDKS ist nicht nur ein technisches Merkmal, sondern ein relevanter Faktor bei der Beurteilung von Fahrzeugsicherheit und Unfallursachen. Wer sein System kennt, wartet und richtig nutzt, ist im Straßenverkehr und im Schadensfall deutlich besser aufgestellt.

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